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Heteronormativität

Livi - 01. August 2019   \\\   Licht aus:

Hat dir schon mal jemand versucht vorzuschreiben, wie du zu leben hast oder etwas an dir bzw. eine deiner Entscheidungen als falsch betitelt? Es kommt nicht selten vor, dass eine Person so sehr in ihrem Weltbild festhängt, dass sie nicht realisiert, dass das Aufzwingen von eigenen Vorstellungen weder unter die Meinungsfreiheit noch die Definition von Kritik fällt.

Für Menschen, die noch nicht zu sich selbst gefunden haben und sich ihrer selbst noch nicht sicher sind, können Kommentare und Kritik durchaus negative Einflüsse haben. Besonders in Zeiten in denen Menschen dank des Internets Hetze gegenüber Minderheiten wie Queers buchstäblich in Lichtgeschwindigkeit versenden können, können Menschen umso mehr durch andere beeinflusst werden. Auch wenn die Welt an vielen Stellen zunehmend aufgeklärter und liberaler wird, gibt es immer noch sehr viele Menschen, die sich mit der Lebensweise und Identität mancher nicht vertragen.
Dies liegt teilweise wohl daran, dass die langzeitige Unterdrückung von Queers in den Köpfen einiger als das einzig Richtige angesehen wird, denn wenn die Eltern, Religion und vermeintliche Idole behaupten, dass die konservativen Wertevorstellungen die einzig richtigen sind, dann muss da doch wohl was dran sein. Durch dieses Denken wird die Gesellschaft leider in vielen Bereichen zurückgehalten und sorgt dafür, dass wir immer noch in einer heteronormativen Welt leben:

1.) Schulen sind ein ziemlich offensichtlicher Ort der Heteronormativität. Die barrierefreie Toilette ist die einzige Unisextoilette. Zusammen mit den Sportumkleiden schließen die Toiletten Enbies aus und zwingen ungeoutete Transpersonen die falsche Toilette zu nutzen. Außerdem werden Gruppenarbeiten und Spiele nicht selten in Mädchen und Jungs aufgeteilt, was ebenfalls Enbies ausschließt und ungeoutete Transpersonen falsch zuordnet.
2.) Der Film- und Entertainmentindustrie mangelt es weitestgehend an Repräsentation von Queers und sollte die Community doch repräsentiert werden, passiert es nicht selten, dass dies nicht zur Aufklärung oder simplen Repräsentation dient, sondern zur Belustigung genutzt wird, indem die Charaktere jedes Vorurteil erfüllen.
3.) Mit am schlimmsten finde ich aber tatsächlich noch die Modeindustrie, welche auch weiterhin größtenteils auf dem binären Geschlechtersystem verharrt. Es gibt individuelle Größenskalen, basierend auf dem biologischen Geschlecht anstatt geschlechtsübergreifende. So ist es teilweise unmöglich für mich als AMAB-NB mit einer Größe von 1,91 Metern unmöglich "weibliche" Kleidung online zu bestellen und im Laden welche in meiner Größe zu finden. Zumal Kleidungsgeschäfte ein riesiger Angstraum sind. Es besteht immer die Möglichkeit, dass man angesprochen wird, weil man in der falschen Abteilung sei oder die richtigen Umkleidungen woanders seien. Von unangenehmen Blicken mal ganz abgesehen.

Heteronormativität geht noch viel weiter als diese Punkte, aber der Punkt sollte klar sein. Einige streuben sich vehement gegen eine längst fällige Reformation und diesen Personen braucht man oftmals auch nicht mit Argumenten zu kommen, denn so lange sie nicht alleine mit ihren Ansichten sind, werden sie sich gegenseitig versuchen zu bestätigen und das Prinzip der Filterbubble im Internet verstärkt dies noch mehr.
Selbstfindung ist nicht nur wichtig, sondern leider auch beeinflussbar; fehlende Repräsentation und Aufklärung verstärken Unsicherheiten nur noch mehr und auch die weit verbreitete Ansicht, Witze über Minderheiten seien unproblematisch haben ihren Einfluss.

Dies war der erste Beitrag meines Zweitblogs. In der Zukunft sollen hier diverse Beiträge zu queeren Themen entstehen. Einerseits möchte ich hiermit aufklären, andererseits aber auch verknüpfen, denn ich möchte diesen Blog nicht alleine führen, sondern auch andere Queers einladen, hier Beiträge zu veröffentlichen. Natürlich bin ich auch offen für Themenvorschläge und Kritik, welche man mir entweder über die Kommentarfunktion oder über Twitter zutragen kann.

Salü.